Über Männerphantasien Merkur-Blog

Gespräch zum 80. Geburtstag von Klaus Theweleit

ab 7. Februar im Merkur-Blog

„Theweleit interessiert sich ja dafür, wie die männliche Gewalt entsteht, die den Faschismus auszeichnet. Und ganz zentral dabei ist fehlende Berührung in den ersten Lebensjahren. In den ersten zwei Jahren ist die Haut das bedeutendste Wahrnehmungsorgan des Menschen. Über die Berührung der Haut kommt es zu hormonellen Ausschüttungen im Gehirn. Das ist ganz fantastisch, quasi die Möglichkeit zu einer Art Bewusstseinserweiterung, mit der wir geboren werden. Erst durch Berührung wird der Mensch zu Ende geboren, erst damit wird er lebendig. Aber wenn die Haut des Neugeborenen in den ersten Jahren nicht berührt wird, dann werden bestimmte Hirnzellen nicht aktiviert. Also die sind zwar da, aber die werden in einen endlosen Schlaf versetzt. Das ist die Basis der Verwahrlosung und Brutalisierung, eben der Erstarrung im Körper, die Theweleit aufzeigt und die dann zur Panzerung, zum Körperpanzer führt, der die Beziehung ersetzen soll. Denn wenn die Lebendigwerdung ausbleibt, entsteht Angst, und aus Angst entsteht Aggression. Deshalb bezeichnet Theweleit den Faschismus als einen Körperzustand und nicht als eine Ideologie.“

© Sigrid Rothe 1977

Gisela Stelly Augsteins
„Männerphantasien“-Rezensionen
in der ZEIT
von 1977 bis 1983

Kopf-Geburten, Körper-Bauten
über Band 1, November 1977

Heißt Liebe: Krieg?
über Band 2, Dezember 1978

Die hautlose Zeit
Oktober 1983

„Büromänner“ im Museum Folkwang   via YouTube

Online-Filmvorführung und Gespräch mit Gisela Stelly Augstein

mehr zum Film >

Samstag, 15. Mai 2021

15:45 Uhr

YouTube-Kanal
Museum Folkwang >

Neu: Archiv Film-Material

Sängerin aus Rarotonga

Cook Islands 1980

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Tänzer von den Salomonen

Papua Neuguinea 1980

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Didgeridoo-Spieler aus Australien

Port Morsby 1980

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Letzte Roman-Veröffentlichung

Keitumer Gespräche

„Doch dann stand es plötzlich fast auf den Tag genau sieben Jahre nach seinem Ableben im November 2009 in der Zeitung. In einem Nebensatz. Wie eine Nebensache. Wie nebenbei gesagt von seinem Ältesten. Ein nebenbei gesagter, nebensächlicher Nebensatz. Durch den sich unser Resident ganz nebenbei entleibt sah. Es war eine Art Mord. Vatermord. Bei gleichzeitiger Transformation, denn er sah sich wie Gregor Samsa, wenn nicht auf dem Rücken liegend und mit den Beinchen zappelnd in einen Käfer, so doch in etwas verwandelt, das sich wie eine von höchster Instanz verhängte Strafe anfühlte: in einen sogenannten „gesetzlichen Vater“!

Sein leiblicher Vater ist Martin Walser, sein gesetzlicher Vater ist Rudolf Augstein, erklärte sein Ältester in der Frankfurter Rundschau.“

Sieben Jahre nach dem Tode von Rudolf Augstein erhob Martin Walser erstmals im November 2009 Anspruch auf die Vaterschaft von dessen ältestem Sohn Jakob. Und dieser gibt erstmals Martin Walser als seinen leiblichen Vater preis und erklärt den bisherigen zu seinem gesetzlichen Vater. In den KEITUMER GESPRÄCHEN umkreist Gisela Stelly Augsteins literarisch-poetischer Text die Neuvermessung der Familien Augstein und Walser.

Und unvermittelt entwickelt sich aus dieser Klage des entleibten Vaters (Rudolf Augstein) ein veritables Bühnenstück – halb Tragödie, halb Komödie. Die Protagonisten sind Fritz (Fritz J. Raddatz), die Mutter (Maria Carlsson-Augstein), der Vater (Martin Walser), der Sohn (Jakob Augstein) und ein Anwalt.